Zwei Personen aus einem agilen New Work Team kleben Notizen auf einen Canvas

User Research: Die 50+ wichtigsten UX Methoden

In der menschzentrierten Gestaltung gibt eine Vielzahl unterschiedlicher User Experience (UX) Methoden. Sie ermöglichen es tatsächliche Nutzer*innen in den Entwicklungsprozess neuer Anwendungen einzubeziehen und bestehende Produkte systematisch nutzerzentrierter zu gestalten. In unserer Übersicht stellen wir über 50 der bekanntesten User Research Methoden vor.

Alle UX Methoden im Überblick

Für eine bessere Übersicht haben wir alle UX Methoden in fünf Kategorien eingeteilt. Diese leiten sich aus dem Design Thinking Prozess ab, orientieren sich aber vornehmlich an unseren Erfahrungen und Vorgehensweisen als Agentur für User Experience und User Research:

  • Verstehen: Ausgangslage, Nutzer*innen und Probleme verstehen
  • Definieren: Research-Ergebnisse strukturieren und Anforderungen definieren
  • Ideen finden: Ideen und mögliche Lösungsansätze generieren
  • Gestalten: Prototypen und Gestaltungslösungen erstellen
  • Testen: Lösungen testen und Annahmen validieren

Weitere Methoden für agiles Projektmanagement, Produktmanagement und Führung gibt es in der großen Übersicht mit 150+ agilen Methoden.

Verstehen: Methoden, um Nutzer und deren Probleme zu verstehen

Bauen Sie ein tiefes Verständnis für das Problem und die betroffene Zielgruppe auf. Im Vordergrund steht das Beobachten und Analysieren von (potenziellen) Nutzer*innen. Legen Sie eigene Annahmen beiseite und decken Sie die wahren Bedürfnisse, Motivationen, Herausforderungen und Emotionen Ihrer Nutzer*innen auf.

Feldstudien und Beobachtungen

Beobachtung von Nutzer*innen unter realen Bedingungen und bei der Ausführung echter Aufgaben.

Tiefeninterviews (Contextual Inquiry)

Durchführung eines Interviews, um Motivationen, Bedürfnisse und Schwierigkeiten aufzudecken.

Fokusgruppen

Moderation einer Gruppendiskussion von Testpersonen, um deren Anforderungen und Wünsche zu erheben.

Tagebuchstudien

Untersuchung des Nutzerverhaltens durch die tägliche Dokumentation in Form eines Nutzer-Tagebuchs.

Markt- & Trendforschung

Untersuchung aktueller Trends und Marktsituationen, um Kundenbedürfnisse und Meinungsbilder abzuleiten.

Wettbewerb- und Konkurrenzanalyse

Analyse von Konkurrenten, um Unterschiede zu beschreiben und Produktpotenziale aufzudecken.

Zielgruppenanalysen

Untersuchung einer ausgewählten Zielgruppe, um Kundenwissen aufzubauen und Trends abzuleiten.

Fly on the Wall / Shadowing

Stille Beobachtung von Testpersonen, um ihr Verhalten und den Nutzungskontext nicht zu beeinflussen.

Customer Centricity: Interview mit Jugendlichen

Definieren: UX Methoden, um Wissen und Anforderungen zu strukturieren

Strukturieren und analysieren Sie die gesammelten Forschungsergebnisse. Ziel ist es, das Problem aus Sicht der Nutzer*innen neu zu definieren. Bereiten Sie alle Erkenntnisse für nachfolgende UX-Aktivitäten auf und entscheiden Sie, in welche Richtung und für welche Nutzergruppen Lösungen entwickelt werden.

Personas

Entwicklung von archetypischen Nutzerprofilen, um die Zielgruppe für Projektbeteiligte greifbarer zu machen

User / Customer Journey Mapping

Betrachtung der ganzheitlichen Reise der Nutzer*innen im Zusammenhang mit einem Produkt oder Service.

User Story Mapping

Sammlung von Aufgaben und Aktivitäten der User, um Anforderungen für eine potenzielle Lösung abzuleiten.

Jobs to be done (JTBD)

Herausarbeiten der zu erledigenden Aufgaben von Nutzer*innen, um Produktpotenziale zu identifizieren.

Requirements Engineering

Erhebung der Anforderungen von Nutzer*innen anhand von Forschungserkenntnissen und Testergebnissen.

Empathy Mapping

Sammlung und Visualisierung der Aussagen, Gefühle, Gedanken und Aktivitäten einer Nutzergruppe.

Nutzungskontext und Szenario

Detaillierte Beschreibung der Gegebenheiten, unter denen Nutzer*innen mit einem Produkt interagieren.

KANO-Analyse

Herausarbeitung von Produktmerkmalen, um Kundenerwartungen und Zufriedenheit zu erfüllen.

Ein UX Researcher stellt seine Erkenntnisse vor dem Team in Form einer Persona vor

Ideen finden: Methoden, um Ideen und Lösungsansätze zu generieren

Generieren Sie eine Vielzahl neuer Ideen für eine potenzielle Problemlösung. Ausgangspunkt sind die zuvor definierten Herausforderungen und Sichtweisen Ihrer Nutzer*innen. Dazu wird zunächst eine große Bandbreite verschiedener Ideen generiert, welche dann im weiteren Verlauf immer weiter konkretisiert und ausgearbeitet werden.

Design Studio

Sammlung und Ausarbeitung vieler Ideen innerhalb einer Gruppe mit fest vorgegebenen Zeitblöcken.

635-Methode

Generierung von über 100 Ideen in unter 30 Minuten mit einer kleinen Gruppe von Teilnehmenden.

How Might We?

Ausarbeitung von Lösungsansätzen, durch die Formulierung von “Wie können wir … ?” Fragen.

Brainstorming und Brainwriting

Sammlung von Ideen in einer Gruppe. Gegenseitige Inspiration durch stillen oder offenen Austausch.

Walt-Disney-Methode

Betrachtung einer Problemstellung und Ideenfindung aus drei unterschiedlichen Rollen bzw. Blickwinkeln.

Crazy 8 Methode

Skizzierung von acht unterschiedlichen Ideen für dieselbe Problemstellung in maximal acht Minuten.

Starbusting

Analyse eines Problems durch die Beantwortung der sechs W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie?

5-Why-Methode

Ergründung der Ursuche eines Sachverhalts, durch fünfmaliges Hinterfragen von “Warum ist das so?".

SCAMPER-Methode

Ideenfindung anhand einer vordefinierten Checkliste, um neue Ansätze für bestehende Produkte abzuleiten.

Denkhüte

Erarbeitung neuer Lösungsansätze durch Einnahme unterschiedlicher Sichtweisen und Denkmuster.

Morphologischer Kasten

Erfassung von komplexen Problembereichen und Betrachtung der möglichen Lösungen ohne Vorurteile.

Kraftfeldanalyse

Ableiten von Ideen durch die Analyse der treibenden und rückhaltenden Faktoren innerhalb einer Situation.

Teilnehmer eines Culture Mapping Workshops tauschen sich mit ihrer Tischgruppe aus und stellen Arbeitsergebnisse vor

Gestalten: UX Methoden, um Prototypen und Designs zu erstellen

Überführen Sie Ihre Ideen in greifbare Prototypen und Gestaltungslösungen. Um eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen zu verhindern, testen Sie Ihre Lösungsansätze regelmäßig und im Austausch mit echten Nutzer*innen. Dadurch werden Annahmen frühzeitig validiert und ermöglichen eine iterative Ausarbeitung Ihrer Prototypen.

Prototyping & Wireframing

Konzeption einer visuellen Kommunikationsgrundlage, um Ideen schnell zu teilen und frühzeitig zu testen.

Card Sorting

Untersuchung von Sprache und mentalen Modellen, um z.B. verständliche Navigationsstrukturen abzuleiten.

User Flow Charts

Visualisierung der Nutzerführung, um Navigationspfade zu verdeutlichen und Verbesserungen abzuleiten.

Low-Fidelity-Prototyp

Erstellung von groben Prototypen, um schnell und mit wenig Aufwand Ideen zu kommunizieren und zu testen.

High-Fidelity-Prototyp

Erstellung von detaillierten Prototypen, um die endgültige Lösung umfangreich mit Usern zu testen.

Paper Prototyping

Gestaltung von Skizzen und Prototypen aus Papier, um frühe Ideen möglichst schnell zu veranschaulichen.

Style Guides

Dokumentation von Gestaltungsrichtlinien, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten.

Design Systeme / Pattern Library

Sammlung von modularen Gestaltungselementen, um Design und Entwicklung von Lösungen zu erleichtern.

Storyboards

Beschreibung von Nutzererfahrung und Kundenreise durch die Visualisierung von Schlüsselmomenten.

Moodboards

Sammlung von Inspirationen, um das Erscheinungsbild, Werte und die Stilrichtung einer Lösung abzustecken.

Person, die einen Papier-Prototyp eines Tablets bedient und testet

Testen: Methoden, um Lösungen zu testen und Ideen zu validieren

Um die Tragfähigkeit Ihrer Lösungen zu validieren, testen Sie Ihre Prototypen in iterativen Testzyklen mit aktuellen und potenziellen Nutzer*innen sowie Vertreter*innen der Zielgruppe. Decken Sie auf, welche Lösungsansätze die höchste Relevanz haben und vergleichen Sie die gewonnenen Erkenntnisse mit Ihren ursprünglichen Annahmen.

Usability Testing

Überprüfung von Lösungen hinsichtlich ihrer Bedienbarkeit, um UX-Verbesserungen zu identifizieren.

(Remote) User Testing

Untersuchung der Interaktionen realer Nutzer mit einer Lösung, um Verbesserungspotenziale aufzudecken.

A/B-Testing

Quantitativer Test verschiedener Varianten einer Lösung, um z.B. Klicks und Conversions zu optimieren.

Eye Tracking

Messung des Blickverlaufs von Nutzer*innen, um Wahrnehmung und Blickführung zu untersuchen.

Tree Testing

Überprüfung, ob User Inhalte schnell und intuitiv anhand der Navigation und Content-Struktur finden.

Benchmark Testing

Vergleich der eigenen Lösungen mit dem Wettbewerb, um Inspirationen und Optimierungen abzuleiten.

Fake-Door-Testing

Aufbau eines Testszenarios, um z.B. die Nachfrage nach Produkten und Services frühzeitig messen zu können.

Feldtests

Testen unter realen Bedingungen und echten Nutzern, um Ergebnisse mit größerer Aussagekraft zu erhalten.

Thinking Aloud (Lautes Denken)

Durchführung von Tests, bei denen die Testpersonen ihre Gedanken und Handlungen laut aussprechen.

UX Audit / Expert Review

Überprüfung von Lösungen durch UX Experten gemäß etablierter Usability-Standards und Richtlinien.

Heuristische Evaluation

Untersuchung eines interaktiven Systems durch Experten anhand vordefinierter Evaluationskriterien.

Cognitive Walkthrough

Beurteilung der Usability eines interaktiven Systems durch Experten, die aus Sicht der Nutzer*innen agieren.

(Online-) Umfragen und Fragebögen

Erhebung und Sammlung von Feedback der Zielgruppe anhand konkreter Anforderungen und Fragestellungen.

Traffic- und Webanalysen

Auswertung statistischer Daten von Nutzer*innen und deren Verhalten innerhalb von Websites und Apps.

Remote Usability Test einer Website

Auswahl der richtigen User Experience (UX) Methode

Es gibt eine Vielzahl verschiedener User Experience Methoden. Das macht die Auswahl einer passenden Methode nicht leicht. Denn je nach Kontext, Zielsetzung und Projektphase, sollten andere Methoden verwendet werden.

Bei der Methodenauswahl sollten u.a. die folgenden Kriterien beachtet werden:

  • Projektphase: Je nach Phase innerhalb der Service- bzw. Produktentwicklung ergibt sich eine natürliche Vorauswahl bestimmter Methoden. Zum Beispiel bieten sich Kreativmethoden innerhalb der Ideenfindung an. Auf der anderen Seite funktionieren User Research Methoden für das Testen von Prototypen erst, wenn es auch eine handfeste Idee oder Lösung zum Testen gibt.
  • Zielsetzung und Problemstellung: Losgelöst von den einzelnen Projektphasen, können Methoden auch anhand der aktuellen Ziele, Probleme oder Fragestellungen ausgewählt werden. Ist beispielsweise das Projektziel, die Conversionrate einer Landingpage zu optimieren, bietet sich ein A/B-Test an.
  • Verfügbarkeit von Zeit und Ressourcen: Die zeitlichen und budgetären Aufwände der verschiedenen UX Design Methoden unterscheiden sich teilweise erheblich. Daher sollte die Auswahl einer Methode immer auch mit den eigenen Ressourcen abgeglichen werden. Oftmals gibt es weniger zeitintensive Abwandlungen der einzelnen Methoden. Ein Beispiel: anstatt research-basierte Personas zu erstellen, könnten auch provisorische Proto-Personas für die Erreichung der Projektziele ausreichend sein.
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